NeuroVitalis

NEUROvitalis – Arbeitsgedächtnis

Trainingsziel

Ziel des Arbeitsgedächtnistrainings ist es, die Verarbeitungskapazität des Gehirns zu verbessern und damit Konzentration, Denken und Lernen zu optimieren.

Was ist Arbeitsgedächtnis?

Das Arbeitsgedächtnis (AG) ist die Fähigkeit, Informationen im Bewusstsein zu halten. Wir nutzen AG, um Pläne zu verfolgen oder um relevante Informationen bei der Lösung von Problemen zu berücksichtigen.
AG ist eng verwandt mit der Kontrolle der Aufmerksamkeit, und diese Fähigkeiten nutzen teilweise die gleichen Regionen des parietalen und präfrontalen Kortex im Gehirn (Ikkai und Curtis, 2010; Constantinidis und Klingberg, 2016).

Wir verwenden das AG, um uns daran zu erinnern, worauf wir uns konzentrieren müssen.
Alle Individuen unterscheiden sich in ihrer AG-Kapazität. Ein niedriges AG kann verursacht werden durch Umwelteinflüsse wie Stress oder durch Verletzungen des Gehirns. Viele Diagnosen und klinische Zustände sind mit niedrigem AG und Aufmerksamkeitsdefiziten verbunden, einschließlich ADHS, ADS, Schädel-Hirn-Trauma, Frühgeburt, Schlaganfall und Krebsbehandlung.
Die Folgen einer beeinträchtigten MW sind unabhängig von der Ursache ähnlich: eine Unfähigkeit, sich an Pläne und Anweisungen erinnern oder die Unfähigkeit, im Alltag anstehende Aufgaben erfolgreich zu lösen. Oft wird auch eine hohe Ablenkbarkeit des Individuums wahrgenommen, besonders ausgeprägt in mental anspruchsvollen Situationen.
Bei Kindern zeigen sich AG-Defizite in schulischen Problemen beim Lesen und in der Mathematik.

Theoretische Grundlagen

Aktuelle Theorien über das Arbeitsgedächtnis stammen von A. Baddeley aus „Working Memory: Theories, Models, and Controversies“ (Annu. Rev. Psychol. 2012. 63:1–29).

Sie beschreibt 5 Komponenten, die das Arbeitsgedächtnis repräsentieren:

  • Die zentrale Exekutive,
  • Der episodische Puffer,
  • Der visuell-räumliche Skizzenblock,
  • und die phonologische Schleife mit angeschlossener artikulatorischer Schleife.

Alle Komponenten werden aktiviert, wenn der Nutzer mit dem vorliegenden AG-Training arbeitet.
Ziele des Trainings sind das üben typischer AG-Inhalte unter Benutzung eines Kartenspiels:

  • n-Back: behalten von Kartenwerten im Gedächtnis,
  • summieren: Berechnung von Summen von gemerkten Kartenwerten,
  • sortieren: Karten aus dem Gedächtnis nach Größe sortieren,
  • visuell-räumlich verschieben: Gedächtnisinhalte räumlich zuordnen und aktuell halten,
  • halten und nutzen: Gedächtnisinhalte nutzen und manipulieren während strategischer Aufgaben.

Aufgabenbeschreibung

Zu Beginn des Trainings kann der Benutzer auswählen, welche Unterfunktion des Arbeitsgedächtnisses trainiert werden soll.
Die 5 Unterprogramme sind voneinander unabhängig und können ohne Beachtung einer Reihenfolge benutzt werden.

Jedes Unterprogramm stellt eine unterschiedliche Anzahl von Schwierigkeitsgraden zur Verfügung (insgesamt 53) und passt sich automatisch der Leistungsfähigkeit des Trainierenden an.

Einstellungen

Unter der Modulauswahl befinden sich Einstellungen, die alle Untermodule beeinflussen.

Anzahl Stufen pro Level

Es wird die Anzahl der Aufgaben eingestellt, die der Nutzer in Folge erfolgreich lösen muss, um in die nächsthöhere Schwierigkeit zu gelangen. Bei jedem Fehler wird eine Stufe abgezogen.
Je höher die Anzahl der Stufen ist, desto länger verbleit der Nutzer in einem Level und festigt so seinen Übungserfolg.

Trainingsdauer begrenzen

Das Training kann mit und ohne zeitliche Begrenzung durchgeführt werden. Neigen Benutzer dazu sich zu überfordern, wird vorgeschlagen die Trainingsdauer zu begrenzen. Auch in Therapiesettings in denen die Zeiten fest getaktet sind, ist diese Einstellung sinnvoll.

Doppelte Einprägedauer / doppelte Antwortzeit

Eine Gedächtnisaufgabe besteht oft aus Einprägen (Acquisition) und Abfrage (Reproduktion) der Informationen. In allen Unteraufgaben gibt es hier verschiedene Anforderungen an den Trainierenden. Jeder Unteraufgabe hat auch ein erprobtes und optimiertes Schema, welche Zeiten in welchen Schwierigkeitsgraden verwendet werden.

Oft sind Patienten verlangsamt, sie benötigen mehr Zeit um sich Informationen einzuprägen oder um zu antworten. Wenn Sie feststellen, dass die voreingestelle Arbeitsgeschwindigkeit innerhalb der Module Ihre Patienten überfordert, kann diese hier verdoppelt werden.

N-Back Training der Merkspanne

N-Back ist ein Training der Merkspanne und der Aufmerksamkeit. In der NEUROvitalis Umsetzung werden fortlaufend Spielkarten auf dem ersten Kartenstapel für eine kurze Zeit aufgedeckt und danach verdeckt auf einen zweiten Kartenstapel gelegt. Die zuletzt gesehene Karte soll eingeprägt werden.
Die Aufgabe ist es, zu reagieren, wenn die selbe Karte / die selbe Kartenfarbe / die selbe Punktzahl erneut erscheint.
In höheren Schwierigkeitsgraden ist das Einprägen der vorletzten Karte das Ziel. Die n-back Aufgabe hat 6 Schwierigkeitsgrade, 3 für 1-back und 3 für 2-back.

Unterprogramme

Verbales Arbeitsgedächtnis

Verbale Inhalte (Spielkarten wie z.B. „Herz Bube“) sollen eingeprägt und wiedergegeben werden. Im einfachsten Level sind es 2 Karten(-stapel), im höchsten Level sind es 5 Karten(-stapel).
Dadurch das immer neue Karten aufgedeckt und verdeckt abgelegt werden, müssen die Gedächtnisinhalte ständig aktualisiert werden.

In diesem Umfeld gibt es Abfragen verschiedener Komplexität, wie z.B. „Auf welche Stapel liegt die Herz-Karte?“ bis hin zu „Auf welchem Stapel liegen in Summe die meisten Punkte?“.
Insgesamt hat dieses Unterprogramm 12 Schwierigkeitsgrade.

Visuelles Arbeitsgedächtnis

In diesem Unterprogramm spielen Kartenwerte (verbale Informationen) keine Rolle. Es sollen lediglich Positionen (von Karten) eingeprägt werden.
An 3 bis 10 Positionen werden 2 bis 6 Karten abgelegt, deren Position eingeprägt werden soll. Nach der Acquisition wechseln die Kartenpositionen, Positionen die sich nicht geändert haben, sollen markiert werden.
Der Positionswechsel ist als fortlaufender Prozess gestaltet, so dass Gedächtnisinhalte ständig aktualisiert werden müssen.
Die Unteraufgabe hat 10 Schwierigkeitsgrade.

Verbales und Visuelles Arbeitsgedächtnis

Dieses komplexeste Unterprogramm trainiert das Gedächtnis für verbale und visuelle Inhalt gleichzeitig.
Es soll eingeprägt werden, welche Karte an welcher Position liegt. Kartenwerte und Positionen soll vor dem Verdecken in Beziehung zueinander gebracht werden.
Nach dem Verdecken der Karten sollen diese in auf- oder absteigender Reihenfolge angeklickt werden.
Diese Unteraufgabe hat 18 Schwierigkeitsstufen, arbeitet mit 4-9 Kartenpositionen und 2-7 einzuprägenden Karten.

Arbeitsgedächtnis Spiel „17 und 4“

Um das Training für Patienten interessanter und abwechslungsreicher zu gestalten, wurde in diesem Unterprogramm der Glücksspiel-Klassiker „Black Jack“ auf eine Arbeitsgedächtnis-Aufgabe adaptiert.
Der Spieler und 1-3 Gegner sammeln Karten mit dem Ziel, möglichst nahe an „21“ Punkte zu kommen, ohne diese zu überschreiten. Ständig muss sich der Spieler die Kartenwerte in 2 bis 4 Stapel merken und diese Gedächtnisinhalte in jeder neuen Runde aktualisieren. Es existieren 7 Schwierigkeitsgrade.

Dieses Unterprogramm ist insofern untypisch, dass Erfolg und Misserfolg nicht ausschließlich in der Hand des Trainierenden liegen, sondern auch vom Zufall abhängen. Das Spiel ist so programmiert, dass ein Übender mit gute Gedächtnisleistung über mehrere Runden immer gewinnen kann. Patienten mit geringer Gedächtnisleistung und geringer Frustrationstoleranz sollten dieses Unterprogramm allerdings nicht nutzen.

Therapiefortschritt

Der Therapiefortschritt wird automatisch gespeichert. Eine neue Sitzung wird in der Schwierigkeit fortgesetzt, in der die letzte Sitzung endete.

Verschiedene Ansichten über den Therapieverlauf bietet das Fenster „Ergebnisse“ (Schalter unten im Fenster „Therapiemodule“).

Menü